Buddhistische Klöster im tibetischen Himalaya

Projektkoordination: Jan Pieper

   Die Forschungen zur Architekturgeschichte ausgewählter Lamaklöster am Oberlauf des Indus (Ladakh, Indische Union) sind Teil eines interdisziplinären Schwerpunktprojektes “Siedlungsprozesse und Statenbildung im tibetischen Himalaya”, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft über sechs Jahre (von 1992 bis 1998) gefördert hat. Beteiligt waren unter anderem Geographen, Tibetologen, Ethnologen, Volkskundler, Archäologen, Sprach- und Kulturwissenschaftler von insgesamt zwölf deutschsprachigen Universitäten.


   Der Beitrag unseres Lehrstuhls zum Rahmenprogramm bestand darin, drei ausgewählte Klosteranlagen in allen architektonischen Einzelheiten zu dokumentieren und im Vergleich mit dem nur lückenhaft erschlossenen Denkmälerbestand die Grundlagen einer Typologie und architektonischen Formenlehre für die buddhistische Klosterkultur dieses Raumes zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit Kultur- und Religionswissenschaftlern wurde darüber hinaus der Versuch unternommen, die Umrisse einer Architekturikonologie des Bautypus zu erarbeiten.


   Im Rahmen von insgesamt acht Forschungskampagnen wurden die Klöster Ridzong, Lamayuru und Phugtal aufgemessen und in allen Einzelheiten im M 1:50, 1:20, 1:10 und 1:5 erfaßt.
Die Auswahl beruht auf der schon 1977 in längerer Feldforschung gewonnenen Einsicht, dass die Klöster des tibetischen Himalaya besonders augenfällig auf die natürlichen Gegebenheiten ihres Standortes eingehen, die sie mit den Mitteln der Baukunst überhöhen (PIEPER, Jan; Die Klostersiedlungen der Gelben Kirche in Ladakh, Bauwelt 23/1977, S. 756 – 761).


   Das Kloster Ridzong ist vollständig in einen halbrunden Talkessel hineingebaut, den es wie die Ränge eines Theaters ausfüllt. Lamayuru, das auf den ersten Blick eine gewaltige Kubatur zu beinhalten scheint, birgt in sich die natürliche Felsspitze des Berggipfels, auf dem es sich erhebt. Im Felsen ist die Einsiedlerhöhle des Klostergründers erhalten und das Riesenkloster ist im Kern also ein vielgeschossiger Galeriebau um den Felsen mit der Ursprungshöhle der gesamten Anlage. (Dazu erschien eine zusammenfassende Vorveröffentlichung: Im Innersten der Anfang. Der Felsenkern des Klosters Lamayuru, PIEPER, Jan; VANQUAILLE, Amandus; VETS, Hilde, Daidalos 58/1995, S. 72 – 77.) Phugtal dagegen ist in eine große Höhle hineingebaut, in deren Tiefe eine natürliche Quelle entspringt, in einem Brunnenhaus, das frei auf einem allseitig umbauten Platz im Inneren des Berges steht.


Die Forschungsarbeiten vor Ort sind abgeschlossen. Das gesamte Material wird für eine Publikation aufbereitet.