Hängende Gärten der Renaissance

Projektkoordination: Jan Pieper, Daniel Buggert

Hängende und versunkene Gärten sind wesentliche Bedeutungsträger in den Architekturprogrammen der Villen- und Palastkunst der Renaissance. Räumlich oder visuell dem Piano Nobile zugeordnet stehen sie als künstlich gefasste, befriedete Natur im Prospekt der Landschaft, die sie deuten, überhöhen oder im paradiesischen Gegenbild fernhalten sollen. So werden sie zu einer architektonischen Stellungnahme, zur positio humana in der Natur, deren Wertschätzung zwischen der Sehnsuchtstopik Arkadiens und elementarer Naturangst hin- und herschwankt.


Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen zunächst im Konkreten der Gartenarchitektur die verschiedenen Perspektiven ausgemessen werden, welche die Zeit auf diese Zusammenhänge eröffnete. Dazu sollen anhand von sechs Beispielen, die jeweils exemplarisch für eine oder mehrere mögliche Perspektiven stehen, systematisch Bautypologie, Bildprogramme, die Ikonologie der Grotten und Wasserkünste, schließlich die Bedeutungszusammenhänge der Pflanzen- und Gesteinskataloge untersucht werden. Ein besonderes Anliegen des Projektes ist es, auch die architektonischen Mittel zu erfassen, die eingesetzt werden, um die Künstlichheit der Gärten zu steigern, die Stütz- und Erschließungskonstruktionen also, die so inszeniert werden, daß die Absicht der künstlichen Fassung und Verdeutlichung der Natur ohne weiteres zutage tritt. Da die Kunst- und Baugeschichte diesen Aspekten der Villen- und Palastarchitektur bisher wenig Beachtung geschenkt hat, sind hier sorgfältige zeichnerische und fotografische Dokumentationen unumgänglich. Schließlich sollen über die Kartierung von Blickachsen und Bewegungslinien in Garten, Gebäude und Landschaft die charakteristischen Eigenmittel der Architektur erfasst werden, die darin zu sehen sind, dass über die Herstellung von Blickbeziehungen und Bewegungsabläufen Bedeutungszusammenhänge hergestellt werden können.


Ergänzend zu den Dokumentationen vor Ort soll für die Deutung der hängenden und versunkenen Gärten im Gesamten der Villenprogrammatik auch die literarischen und bildlichen Quellen herangezogen werden, in denen diese Typen der Gartenbaukunst der Renaissance eine prominente Rolle spielen.


Dieses Projekt wurde finanziell von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.