Heilige Gräber

Projektkoordination: Jan Pieper, Daniel Buggert

Das leere Grab Christi in Jerusalem besitzt für die christliche Heilslehre die materielle Funktion eines Beweisbauwerks der Verheißung des ewigen Lebens. Aufgrund ihrer außerordentlichen Bedeutung ließ Konstantin um 330 n. Chr. die Grabkammer allseitig frei aus dem Felsen herausmeißeln und die monolithische Ädikula in einem zweiten Schritt durch die Anastasisrotunde monumental umbauen, um das Grab für die Pilger aus dem Abendland zugänglich zu machen.


Schon seit dem 5. Jahrhundert werden in Europa architektonische Kopien des Heiligen Grabes als Modelle oder Kleinarchitekturen im Kirchenraum errichtet. Sie variieren den von Konstantin vorgegebenen architektonischen Topos einer freistehenden Kleinarchitektur inmitten einer monumentalen Raumschale. Während der Jahrhunderte der Kreuzzüge erfährt diese Gewohnheit eine Belebung: Als persönliche Erinnerungs- oder Andachtsarchitektur heimgekehrter Kreuzfahrer, als Stellvertreterheiligtum und Ziel einer Ersatzwallfahrt oder gelegentlich auch als theologisch-didaktisches Lehrbauwerk werden überall in Europa Nachbauten der Heiliggrabädikula errichtet. Etwa 50 Beispiele sind erhalten, die meisten in Frankreich, Deutschland und Italien.


Das Forschungsprojekt befasst sich mit den architekturgeschichtlich interessanten Nachahmungen des 11. bis 15. Jahrhunderts, die über die naturgetreue Reproduktion des Originals hinausgehen und stattdessen einen bestimmten Aspekt des Jerusalemer Grabes aufgreifen und im architektonschen Zitat thematisch überhöhen. Das Projekt wurde finanziell durch die DFG gefördert.