Messexperiment “Sabloneta Quadrata”

Projektkoordination: Jan Pieper, Bruno Schindler

   Das von der Gerda Henkel Stiftung (Pressemitteilung) geförderte Forschungsprojekt „Sabloneta Quadrata“ des Lehrstuhls für Baugeschichte und Denkmalpflege beschäftigt sich mit der Idealstadtplanung Sabbionetas in Italien. Herzstück der wissenschaftlichen Untersuchung war die Absteckung der gesamten Stadtanlage in realer Größe (1/1) auf einer circa 1 km² großen Freifläche, die von RWE im Rekultivierungsgelände Garzweiler zur Verfügung gestellt wurde. Das historische Messverfahren konnte mit einem Planschema, einer geometrischen Maßfigur, rekonstruiert und nachgewiesen werden, indem ausschließlich historische Messinstrumente zum Einsatz kamen, die nach alten Vorbildern nachgebaut wurden.


   An den Forschungsarbeiten unter der Leitung von Professor Jan Pieper wurden auch zahlreiche Studenten beteiligt, die bei der Bewältigung des immensen Arbeitsaufwandes einen unverzichtbaren Beitrag leisteten. Die Baudokumentation von Sabbioneta erfolgte in mehreren Vermessungskampagnen vor Ort und über mehrere Jahre hinweg. Nach der Auswertung der Messdaten wurden sie schließlich in Garzweiler praktisch als Messfigur mit Kalkwagen im Feld markiert. Das Messergebnis wurde anschließend aus der Luft fotografisch aufgenommen und mit dem Tachymeter vermessen. So konnte nachgewiesen werden, dass Sabbioneta auf den Sonnenstand zur Stunde der Geburt des Stadtgründers Vespasiano Gonzaga orientiert wurde und gleichzeitig die Wallanlagen der umgebenden Festung nach den vier Haupthimmelsrichtungen gebaut wurden – der Hintergrund einer eigentümlichen Verkippung von Straßenraster und Befestigung, die von der Idealstadtforschung bisher nicht erklärt werden konnte.


   Das Experiment, das den abschließenden Teil des Forschungsprojektes darstellte, wurde als Film dokumentiert und im WDR einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse reichen von dem Nachweis der Planungsmethoden der Idealstadtgründung Sabbionetas – ein bisher einmaliger Beitrag zur Stadtbaugeschichte – bis hin zu der Rekonstruktion historischer Messapparate, die bisher nur noch aus der historischen Traktatliteratur bekannt waren, weil die Originale weitgehend verloren sind.


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