Sabbioneta Hochkorridore

Projektkoordination: Pieper und Mitarbeiter

   Ende September 2008 begann ein neues von der DFG gefördertes Forschungsprojekt: „Die Hochkorridore von Sabbioneta. Architektur und Ausstattung eines städtischen ’Piano Nobile’ der Renaissance.“


   Sabbioneta, die Residenz des frühabsolutistischen Kleinfürstentums gleichen Namens, die Vespasiano Gonzaga (1531 – 1591) nach 1554 von Grund auf neu erbauen ließ, gilt als eine der konsequentesten Umsetzungen des Idealstadtgedankens der italienischen Renaissance. Grundriß und Umrißfigur der Stadt sind so angelegt, daß sie den gewandelten Begriffen der Zeit vom Fürsten und seinem Staat architektonischen Ausdruck verleihen, zugleich aber in zahlreichen Rückgriffen auf den antik-römischen Städtebau eine Kontinuitätslinie zurück zum kaiserzeitlichen Imperium konstruieren.


   Das neue Selbstverständnis fürstlicher Macht artikulierte sich jedoch nicht allein in den achsialen und flächigen Konfigurationen des Stadtplanes, sondern erfuhr durch Hochkorridore, die die Herrschaftszonen der Stadt – Rocca, Palazzo Ducale, Palastkirche, Theater, Galerie, Gartenpalast – miteinander verbanden, eine dreidimensionale Hierarchie der Wegeführung.


   Auf dieser Ebene bewegte sich der Fürst, ungesehen und dennoch immer präsent. Teile dieses Systems haben sich bis heute erhalten, seine ursprüngliche Ausdehnung, der genaue Verlauf der Gänge und ihre ehemalige Ausstattung sind jedoch unbekannt.
In einem ersten Teilprojekt des Forschungsvorhabens soll dieses System der Hochkorridore in seinen erhaltenen Resten komplett aufgemessen, gezeichnet und fotografisch dokumentiert werden, danach werden alle Gebäude einer intensiven Bauforschung unterzogen, so daß am Ende das Piano Nobile der Stadt komplett rekonstruiert werden kann.
Das Projekt wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Jeweils in Frühjahr und Herbst besteht die Möglichkeit der Teilnahme an einer Bauaufnahmeexkursion.


   Sie bietet Studenten, die den Herausforderungen der kulturellen Dimension der Architektur gewachsen sind, die Möglichkeit, einen Einblick in den wissenschaftlichen Umgang mit Architektur und die Methoden der praktischen Bauforschung zu gewinnen. Insbesondere Studenten des Master-Programmes „Planen und Bauen im Bestand“, aber auch anderer Vertiefungsrichtungen, ebenso wie besonders interessierte Bachelor-Studenten, sind willkommen.


[nggallery id="1"]
[nggallery id="4"]