„Ägypten als das kulturelle Unbewusste der abendländischen Tradition“ (Aleida Assmann)

   Altägyptische Architektur ist in ihrer Zeichenhaftigkeit selbst erklärend in dem Sinne, dass Form und Materialität der Pyramiden eine deutliche „Herrschaftssprache“ sprechen, da die monumentalen Steinbauten als „nachgebaute Berge“ in idealer, kristalliner Form, als Zeichen der Unvergänglichkeit und Ewigkeit wirken.

    Auch die über mehr als dreitausend Jahre unverändert scheinende Formensprache ägyptischer Tempel und ihrer Bildwerke signalisiert Dauer und Ewigkeit. Durch die Kanonisierung der Form wird „Ewigkeit konstruiert“. Die „Phänomenologie des Raumes“ macht klar, dass eine Tür, ein Tor, ein Pylon in einer ersten Bedeutungsebene die Grenze zwischen Innen und Außen definiert mit der Möglichkeit hineinzugehen und herauszukommen. Eine steinerne, vermauerte Scheintür dagegen signalisiert in einer zweiten Bedeutungsebene eine andere Grenze: die zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Leben und Tod durchdringbar nur für Götter, Geister, vergottete Ahnen.

    Diese Zeichenhaftigkeit der Architektur hat seit jeher die Betrachter „angesprochen“, bewegt und zu Reflexionen über ihren „uralten“ Sinn geführt. Dabei entstanden Legenden, Versuche zu verstehen, gezielte Fälschungen – und auch neuere Erkenntnisse.

 

    Ein Ziel des Seminars ist es, die überschwengliche Rezeption ägyptischer Architektur, Kunst und vermeintlicher Geheimwissenschaften auf ihre ägyptischen oder vermeintlich ägyptischen Ursprünge zurückzuführen und die neuen Sinnkonstruktionen zu analysieren.

Do. 13.00-14.30 Uhr, Bibliothek Architekturgeschichte, R 2.15
Erstes Treffen: 12.10.2017
BA:
Wahlmodul
MA:
Wahlmodul