Architektur ohne Architekten

   Bereits 1964 kritisiert der Architekt und Kulturhistoriker Bernard Rudofsky die Voreingenommenheit und willkürliche Selektivität der bisherigen Architekturgeschichtsbetrachtung. In seinem Buch „Architecture without Architects“ rückt er erstmals das Schaffen der anonymen Baumeister in den Fokus der Aufmerksamkeit.

   Erbaut aus lokalen Baumaterialien und entstanden in direkter Auseinandersetzung mit den örtlichen Gegebenheiten wie Klima und Topographie, ihrer funktionalen Aufgabe sowie den Bedürfnissen ihrer Bewohner sind diese Bauten vorbildhaft in ihrer Zweckmäßigkeit, Unmittelbarkeit, Beständigkeit, Materialehrlichkeit, in ihrer handwerklichen Qualität und Verortung. Heute unter dem Begriff der vernakulären Architektur zusammengefasst (von lat. vernaculus = einheimisch), führen sie uns zurück zu den Ursprüngen und Grundsatzfragen, ja zum Kern des Wesens der Architektur und regen dazu an, die Rolle und die Aufgaben des Architekten zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen.

   Im Verlauf des Seminars werden wir verschiedensten Bauten aus Stein, Ziegel, Holz, Vegetation und Schnee begegnen, sie hinsichtlich ihrer Funktion und Gestalt, ihrer Typologie und Topoi einer kulturübergreifenden Betrachtung unterziehen und so Ausdrucksreichtum und Anpassungsvermögen der anonymen Architektur herausarbeiten. Die theoretischen Untersuchungen des Blockseminars werden ergänzt durch eine zweitägige Exkursion, die eine Begegnung mit einigen der vorgestellten Bauten in situ ermöglicht.

Blockseminar
Erstes Treffen: Mi. 15.01.2014, 10:00-12:00 Uhr
Lehrstuhl-Bibliothek R229, 12 Teilnehmer
MA:
Wahlmodul