Homo Faber Einsiedelei am Grimselsee

   Zweifelsohne stellt das „Bericht“ genannte Werk „Homo Faber“ Max Frischs eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts dar. Walter Faber, technikgläubiger Rationalist und absoluter Einzelgänger („Meinerseits kein Bedürfnis nach Bekanntschaft“), ist als Ingenieur für die UNESCO tätig und begegnet der jungen Sabeth, nicht wissend, dass diese seine Tochter ist. Nach wenigen gemeinsamen Wochen stirbt sie durch einen tragischen Unfall.

   Die zentralen Sujets der immerwährenden Reflektion Fabers sind das Verhältnis von Mensch-Technik-Natur, von Ratio und Emotion, von Werden und Vergehen und damit auch von Leben und Tod. Mit dem Fortschreiten seines Berichtes hinterfragt er die Grenzen seines von Vernunft und Logik geprägten Weltbilds; scheinbar gelingt es ihm, sie gar zum Teil zu überwinden. Faber möchte daraufhin sein Leben ändern. Er möchte „Nie wieder fliegen!“ und wünscht sich, „auf der Erde zu gehen (…) und das Wasser zu hören“. Gemäß einer weitläufigen Interpretation überlebt er eine schwere Erkrankung nicht und stirbt; tatsächlich jedoch weist der Bericht ein offenes Ende auf.

   Im Rahmen des Stegreifs gilt es, ein Haus für Faber – eine Einsiedelei in den Bergen – zu entwerfen. Schauplatz ist der artifizielle Grimselsee in den Schweizer Alpen. Dieser vermag nicht nur ob seiner Staumauer als architecture parlante par excellence der von Mensch und Technik beherrschten Natur, sondern auch durch seine geographische Verortung zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang als einsame Manifestation des Werdens und Vergehens die Dialektik der o.g. Sujets in vorbildlicher Weise zum Ausdruck zu bringen. Wie wohnt Homo Faber? Wie baut man in den Bergen?

Ausgabe: Do. 14.11.2016, Bib. Architekturgeschichte
Workshops und Betreuungen in der „Weißen Woche“
Präsentation: 12.12.2016
MA:
Stegreif
Bild: © http://grimselwelt.ch (05.10.2016)