Scherpenheuvel:
Kirche und Stadt im Siebeneck

   Auf dem „spitzen Hügel“, der die Keimzelle des belgischen Ortes Scherpenheuvel (Flämisch-Brabant) bildet, hatte im späten Mittelalter eine Marienstatue an einem Eichenbaum ihre Wunder verrichtet. Um diesen hochverehrten Ort entwickelte sich im frühen 17. Jahrhundert ein spektakulärer Wallfahrtsort als architektonisches Manifest des Katholizismus. Den historischen Hintergrund des Projektes bildet der achtzigjährige Krieg mit seinen religiösen und territorialen Auseinandersetzungen zwischen der protestantischen Staaten der niederländischen Republik und den katholischen spanischen Niederlanden im Süden. Erzherzog Albrecht, Regent der spanischen Niederlande, förderte persönlich die Errichtung einer außergewöhnlichen Kuppelkirche auf siebeneckigem Grundriss, die sich auf der Hügelspitze im Zentrum eines gleichfalls siebeneckigen, sternförmigen Gartens und umgeben von einer siebeneckigen befestigten Stadtanlage erhob.

   Das Seminar untersucht die Genese, Gestalt und Programmatik des außergewöhnlichen Ensembles in seinen unterschiedlichen Maßstabsebenen vom Städtebau bis zur bildlichen Ausstattung. Dabei werden u. a. zeitgenössische religiös motivierte Stadtutopien und Idealstädte, die Tradition der niederländischen Festungsstädte und die Wallfahrtsarchitektur um 1600 unter die Lupe genommen.

   Das Seminar flankiert ein aktuelles Bauforschungsprojekt des Lehrstuhls. Studierende, die sich für die Teilnahme an einer Bauaufnahmeexkursion nach Scherpenheuvel im Frühjahr 2014 interessieren, können gleichzeitig das Seminar „Arbeitsmethoden der Bauaufnahme und Bauforschung“ belegen, das in wöchentlichem Wechsel mit dem Seminar „Scherpenheuvel“ angeboten wird.

Do. 10.15–12.30 Uhr, Beginn: 16.10.2014
(ab 23.10. in 2-wöchigem Abstand)
Bibliothek Baugeschichte, R 116
BA: Wahlmodul
MA: Wahlmodul