Venedig – Herrin der Meere

   Die Stadtentwicklung Venedigs geht seit frühester Zeit mit Mythenkonstruktionen und architektonischer Zeichensprache einher. Während der Völkerwanderung flohen Landbewohner auf die Sandbänke und Inseln. Später wird dies mythisiert, auf ein Datum fixiert und mit Marienerscheinungen legendär verbunden.

   Ähnliche Mythen- oder Legendenkonstruktionen aus Staatsraison gibt es in Bezug auf Markus, den Evangelisten, auf weitere Marienerscheinungen und nicht zuletzt die grandiose Wasserprozession anlässlich der jährlichen „Vermählung“ mit dem Meere.

   Die Reliquien des Markus – oder das, was man dafür hielt – wurden 828 in der Translatio Sancti Marci aus Alexandria geraubt und am Dogensitz am Rialto, nicht etwa im Bischofspalast in Grado, niedergelegt. So wurde das Amt des Dogen – nicht des Bischofs – durch die Reliquie legitimiert und Venedig mit Pilgerstädten wie Jerusalem oder Rom gleichgesetzt und mit einer eigenen Sakraltopographie belegt.

   Ziel des Seminars ist es, die architektonische Zeichensprache, die diese und ähnliche Mythenkonstruktionen spiegelt, vor dem immens politischen Hintergrund der gezielten Selbstdarstellung der selbstbewussten Seemacht zu analysieren.

Do. 14.00-15.30 Uhr, Erstes Treffen: 20.10.2016
Bibliothek Architekturgeschichte, R 2.15
BA:
Wahlmodul
MA:
Wahlmodul
Bild: © http://meineadria.com/uploads/pics/Venedig_Hochformate_-_07.jpg (04.10.2016)
© http://meineadria.com/uploads/pics/Venedig_Hochformate_-_07.jpg (04.10.2016)