Wohnen im Strebepfeiler

   Das Bonner Münster wurde seit dem 11. Jh. als Stiftskirche St. Cassius und Florentius errichtet. In verschiedenen Bauphasen wurde die Kirche des Cassiusstiftes zum Wahrzeichen der Stadt Bonn und dient seit der Aufhebung des Stiftes und dem Abriss der alten Pfarrkirche St. Martin als neue Pfarrkirche der Innenstadt. Auch die Seelsorge im Zentrum der Stadt hat hier, in der seit 1965 als basilika minor geführten Kirche, ihre Adresse – eine Funktion, die jedoch im Rahmen der historischen Stiftsgebäude im Hintergrund der altehrwürdigen romanischen Kirche mit Krypta, hohem Chor, Vierungsturm über dem Hauptaltar und aufwendigem Langhaus keine Nähe zu den bedürftigen Menschen entwickelt.

   Der Stegreifentwurf nimmt diese Problematik sozialer Entfremdung auf und verbindet diese mit einer anderen Herausforderung der Denkmalpflege, dem Problem der statischen Ertüchtigung des Langchores der Basilika, der als ein einschiffiger, gewölbter Langraum seitlich gegen den Gewölbeschub mit Pfeilern oder Ähnlichem abgefangen werden müsste.

   Dieser statisch sinnvolle bauliche Eingriff soll als Gelegenheit begriffen werden, die Strebepfeiler als Notunterkünfte für Bettler und Obdachlose zu konzipieren, deren unmittelbarer Bezug zur Basilika auch einen Ort der Seelsorge im Zentrum der Stadt im Sinne des Heiligen Franziskus von Assisi ermöglicht.

Ausgabe: Do. 29.10.15, 09.15 Uhr, Bib. AGes, R 2.15
Abgabe: Fr. 04.12.15, 10.00 Uhr, Bib. AGes, R 2.15
MA: Stegreif