Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat

Geboren 1972 in Kirchhellen | 1992-1999 Studium der Architektur und Baugeschichte an der RWTH Aachen und an der Università degli Studi, Florenz | 1999 Diplom mit Auszeichnung, Springorum Denkmünze der RWTH Aachen, 1. Preis der Hünnebeck-Stiftung | 1999-2002 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Baugeschichte der RWTH Aachen (Prof. Jan Pieper) | 2002-2004 Promotionsstipendiatin des DAAD und der Graduiertenförderung der RWTH Aachen am Deutschen Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) | 2004-2006 Tätigkeit als freie Autorin und Architekturkritikerin | 2006-2008 Vertretungsprofessorin an der FH Aachen für die Fächer Architekturgeschichte, Denkmalpflege, Architekturtheorie | seit 2007 Gründungs- und Redaktionsmitglied der Zeitschrift archimaera – Zeitschrift für Architektur, Kultur, Kontext – online (www.archimaera.de) | 2008 Promotion mit einer Arbeit zum Heiliggrabtempietto von L. B. Alberti in Florenz, Friedrich-Wilhelm-Preis und Borchers-Plakette der RWTH Aachen | 2008-2014 Professorin an der FH Aachen für das Fach Geschichte und Theorie der Architektur | seit Mai 2014 Universitätsprofessorin am Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen

Forschungsschwerpunkte/-interessen

– Architektur des Florentiner Quattrocento

– Die Architektur L. B. Albertis

– Rhetorik der Architektur der frühen Neuzeit

– Mittelalterliche und spätmittelalterliche Nachbauten der Jerusalemer Heiliggrabädikula

– Wallfahrtsarchitektur

– Architekturkopie

– Strategien und Bedeutung der Integration des Alten in das Neue in der Architektur


Aktuelle Forschungsprojekte

Stadt und Kirche von Scherpenheuvel: Ein herrscherliches Gesamtkunstwerk im Kontext des Achtzigjährigen Krieges

Auf dem „steilen Hügel“, der Keimzelle des belgischen Ortes Scherpenheuvel (Flämisch-Brabant), hatte im späten Mittelalter eine Marienstatue an einem Eichenbaum ihre Heilungswunder verrichtet. Konzentrisch um diese hochverehrte Pilgerstätte entstand ab 1603 ein spektakulärer Wallfahrtsort als herrscherliche Gründung und architektonisches Manifest des Katholizismus. Erzherzog Albrecht und Infantin Isabella, Regenten der spanischen Niederlande, initiierten persönlich den architektonischen Ausbau der Wallfahrtsstätte vor dem Hintergrund des Achtzigjährige Krieges mit seinen religiösen und territorialen Auseinandersetzungen zwischen den spanientreuen katholischen Niederlanden im Süden und den protestantischen Staaten der niederländischen Republik im Norden. In der Folge kommt es zur Errichtung einer außergewöhnlichen Kuppelkirche auf siebeneckigem Grundriss, die sich auf der Hügelspitze im Zentrum eines gleichfalls siebeneckigen, sternförmigen Gartens und umgeben von einer siebeneckigen befestigten Idealstadtanlage erhebt. Nach dem Tod des Erzherzogs im Jahr 1621 führte Erzherzogin Isabella den Ausbau und Ausstattung des Wallfahrtsortes weiter. Über verschiedene Anbauten und einen teilweise unterirdischen Gang wurde nun das neu gegründete Oratorianerkloster in einer Ost-West-Achse an den Zentralbau angeschlossen.

Das Forschungsprojekt untersucht die Genese, Gestalt und Programmatik des Wallfahrtsortes in seinen unterschiedlichen Maßstabsebenen von der Idealstadtanlage über den Kirchenbau bis hin zu dessen bildlicher Ausstattung. Hierfür wird das städtebaulich und architektonisch einzigartige Ensemble erstmals systematisch mit Methoden der historischen Bauforschung dokumentiert und analysiert. Parallel dazu werden die Schrift- und Bildquellen durch eine systematische Archiv- und Literaturrecherche erstmals vollständig zusammengestellt und ausgewertet. Ziel ist ein umfassendes Verständnis des bedeutsamen Ensembles in Bauchronologie, Nutzung, Typologie, Ikonologie, Symbolik und religiöser sowie politischer Programmatik.

Aufsätze und Monografien

A. Naujokat: Die Architektur der Renaissance und des Manierismus, in: Wolfgang Brassat (Hg.): Handbuch Rhetorik der bildenden Künste, Berlin: De Gruyter 2016 (im Druck).

A. Naujokat: Visuelle Bündnispolitik. Das Devisenprogramm in Giovanni Rucellais Heiliggrabkapelle in Florenz, in: Jörg Jarnut et. al. (Hg.): Gräber im Kirchenraum. 6. Archäologisch-historisches Forum (= MittelalterStudien, Bd. 26), Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2015, S. 151-172.

A. Naujokat: Imitations of the Holy Sepulchre and the Significance of „Holy Measures“, in: Bianca Kühnel und Pnina Arad (Hg.): Jerusalem Elsewhere. The German Recensions. Proceedings of the Minerva-Gentner mobile symposium, October 2011, Jerusalem 2014, S. 13-21.

A. Naujokat: Heiliggrabkopien und die Bedeutung „Heiliger Maße“, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 115/116 (2013/2014), Aachen 2014, S. 239-272.

A. Naujokat (Hg.): Dom zu Aachen. Architektur und Geschichte, Aachen: Geymüller Verlag 2014.

A. Naujokat: Schichtung, Überblendung, Collage: Formen und Bedeutungen architektonischer Simultaneität, in: Simultaneität: Modelle der Gleichzeitigkeit in den Wissenschaften und Künsten, hg. von Philipp Hubmann und Till Julian Huss, Bielefeld: transcript 2013, S. 171-190.

A. Naujokat, K. R. Kegler (Hg.): archimaera 5 (2013): „grenzwertig“ [Link: http://www.archimaera.de/2012/grenzwertig]

A. Naujokat: Leon Battista Alberti and the Consonance of Old and New, in: Proceedings of the 2nd International Conference of the European Architectural History Network, hg. von Hilde Heynen und Janina Gosseye, Brüssel 2012, S. 182-184.

A. Naujokat: Non est hic.Leon Battista Albertis Tempietto in der Cappella Rucellai, Aachen/Berlin/Brüssel: Geymüller Verlag 2011.

A. Naujokat: Ut rhetorica architectura – Leon Battista Alberti´s Technique of Architectural Collage / Leon Battista Albertis architektonische Collagetechnik, in: Candide. Journal for Architectural Knowledge 2 (2010), S. 73-100. [Link: http://www.candidejournal.net/wp-content/uploads/downloads/2011/06/CAN02_Analysis_Naujokat.pdf]

A. Naujokat: Jerusalemkirchen in Europa: Eine architektonische Typologie, in: Sehnsucht nach Jerusalem. Wege zum Heiligen Grab, hg. von Ursula Röper, Berlin 2009, S. 74-82.

A. Naujokat: Kopie der Kopie. Das Heilige Grab von San Rocco, Sansepolcro, in: archimaera 2 (2009), S. 13-34. [Link: http://www.archimaera.de/2009/raubkopie/kopie_der_kopie/index_html]

A. Naujokat: Ad instar iherosolimitani sepulchri. Gestalt und Bedeutung des Florentiner Heiliggrabtempietto von L. B. Alberti, Diss. RWTH Aachen, 2008.

A. Naujokat: Die unähnliche Kopie: Zum simile-Charakter der mittelalterlichen Heiliggrabimitationen, in: Mikroarchitektur im Mittelalter. Ein gattungsübergreifendes Phänomen zwischen Realität und Imagination, hg. von Christine Kratzke und Uwe Albrecht, Leipzig 2008, S. 367-386.

A. Naujokat: Pax et concordia. Das Heilige Grab von Leon Battista Alberti als Memorialarchitektur des Florentiner Unionskonzils (1439-1443) (Reihe Quellen zur Kunst, hg. von Norberto Gramaccini, Bd. 27), Freiburg: Rombach Verlag 2006.

A. Naujokat: Politikum Betonsanierung. Das Beispiel der Münsterschule in Neuss, in: Bauwelt 3 (2006), S. 18-21.

K. Kegler, K. Ley, A. Naujokat: Utopische Orte. Utopien in der Architektur- und Stadtbaugeschichte, Aachen 2004.

J. Pieper, A. Naujokat, A. Kappler: Jerusalemskirchen. Kleinarchitekturen nach dem Modell des Heiligen Grabes in Jerusalem (= Wissenschaftliche Schriften der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen, hg. von W. Döring, W. Führer, M. Jansen, Band 3), Aachen 2003.

J. Pieper, S. Traber, A. Naujokat, B. Schötten (Hg.): Das Château de Maulnes in Burgund: Eine Dokumentation und Bauaufnahme des Lehrstuhls für Baugeschichte und Denkmalpflege der RWTH Aachen (Katalog zur Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, 4.6.-29.8.1999), Aachen 1999.


Besprechungen und Rezensionen

Aachen: Symposium – Maulnes und der Manierismus in Frankreich, in: Bauwelt 22 (2001), S. 4.

Köln: Pyramide – Haus für die Ewigkeit, in: Bauwelt 48 (2001), S. 5.

Aachen: Colourdome, in: Bauwelt 37 (2002), S. 2.

Ferrara: together – Architektur für den Frieden, in: Bauwelt 33 (2003), S. 4.

Vicenza: Vincenzo Scamozzi (1548-1616) – architettura e scienza, in: Bauwelt 43,44 (2003), S. 5.

Bottrop: Umbau im Museum Quadrat, in: Bauwelt 35 (2004), S. 4.

Duisburg: Stadtlicht – Lichtkunst, in: Bauwelt 1,2 (2005), S. 4.

Aachen: Deimel und Wittmar. Jene Zwanziger Jahre, in: Bauwelt 7 (2005), S. 4-5.

Düsseldorf: Lichtmasterplan – erste Zwischenbilanz, in: Bauwelt 9 (2005), S. 4.

Maastricht: Vorpremiere der neuen Dependance des NAi, in: Bauwelt 13 (2005), S. 2.

Vicenza: Palladio und die Villa in Venetien. Von Petrarca bis Carlo Scarpa, in: Bauwelt 19 (2005), S. 6.

Aachen: Grau Blau Grün. Der Emscher Landschaftspark, in: Bauwelt 29 (2005), S. 3.

Bocholt: Cotton Mills for the Continent, in: Bauwelt 36 (2005), S. 3.

Bonn: Lasst uns 3 Hütten bauen, in: Bauwelt 37 (2005), S. 3.

Brühl: Max Ernst Museum, in: Bauwelt 38 (2005), S. 2.

Heerlen: Broken Glass, in: Bauwelt 39 (2005), S. 3.

Aachen: Europäisches Kulturzentrum “Bauhaus Europa”, in: Bauwelt 6 (2006), S. 6-7.

(mit Monika Krücken) Bauhaus Europa: Die Genese, Bauwelt 42 (2006), S. 24-25.

Forschungsschwerpunkte/-interessen

– Architektur des Florentiner Quattrocento

– Die Architektur L. B. Albertis

– Rhetorik der Architektur der frühen Neuzeit

– Mittelalterliche und spätmittelalterliche Nachbauten der Jerusalemer Heiliggrabädikula

– Wallfahrtsarchitektur

– Architekturkopie

– Strategien und Bedeutung der Integration des Alten in das Neue in der Architektur


Aktuelle Forschungsprojekte

Stadt und Kirche von Scherpenheuvel: Ein herrscherliches Gesamtkunstwerk im Kontext des Achtzigjährigen Krieges

Auf dem „steilen Hügel“, der Keimzelle des belgischen Ortes Scherpenheuvel (Flämisch-Brabant), hatte im späten Mittelalter eine Marienstatue an einem Eichenbaum ihre Heilungswunder verrichtet. Konzentrisch um diese hochverehrte Pilgerstätte entstand ab 1603 ein spektakulärer Wallfahrtsort als herrscherliche Gründung und architektonisches Manifest des Katholizismus. Erzherzog Albrecht und Infantin Isabella, Regenten der spanischen Niederlande, initiierten persönlich den architektonischen Ausbau der Wallfahrtsstätte vor dem Hintergrund des Achtzigjährige Krieges mit seinen religiösen und territorialen Auseinandersetzungen zwischen den spanientreuen katholischen Niederlanden im Süden und den protestantischen Staaten der niederländischen Republik im Norden. In der Folge kommt es zur Errichtung einer außergewöhnlichen Kuppelkirche auf siebeneckigem Grundriss, die sich auf der Hügelspitze im Zentrum eines gleichfalls siebeneckigen, sternförmigen Gartens und umgeben von einer siebeneckigen befestigten Idealstadtanlage erhebt. Nach dem Tod des Erzherzogs im Jahr 1621 führte Erzherzogin Isabella den Ausbau und Ausstattung des Wallfahrtsortes weiter. Über verschiedene Anbauten und einen teilweise unterirdischen Gang wurde nun das neu gegründete Oratorianerkloster in einer Ost-West-Achse an den Zentralbau angeschlossen.

Das Forschungsprojekt untersucht die Genese, Gestalt und Programmatik des Wallfahrtsortes in seinen unterschiedlichen Maßstabsebenen von der Idealstadtanlage über den Kirchenbau bis hin zu dessen bildlicher Ausstattung. Hierfür wird das städtebaulich und architektonisch einzigartige Ensemble erstmals systematisch mit Methoden der historischen Bauforschung dokumentiert und analysiert. Parallel dazu werden die Schrift- und Bildquellen durch eine systematische Archiv- und Literaturrecherche erstmals vollständig zusammengestellt und ausgewertet. Ziel ist ein umfassendes Verständnis des bedeutsamen Ensembles in Bauchronologie, Nutzung, Typologie, Ikonologie, Symbolik und religiöser sowie politischer Programmatik.